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Die Sünderin /De/

Светослав Райков Пейчев (simon martin)

Раздел: Проза на чужд език  Цикъл: Произведения на чужд език - En, De, It, Vn.

 

Това е немската версия на разказа "Грешницата" от Светослав Пейчев /Simon Martin/ 

E-mail: simon_ray_martin@hotmail.com 
Превод: Nataliya Korn  

 

                                                                                 Die Sünderin 

 

                                                          Geschichte vom Svetoslav Peytchev /Simon Martin/

 

...Die Amerikaner waren noch nicht auf dem Mond gelandet. Die erste Herz-Implantation hat noch nicht stattgefunden. Es gab noch keine Invitro-Babies...Der erste Todesfall von AIDS war noch nicht eingetreten...

 

Es war ein ganz normaler Sonntag am Ende des Monats August. Der heiße, trockene Sommer war dabei sich zu verabschieden.

Ich saß im Hof unter dem Schatten von dem Kastanienbaum und ich schenkte mir oft Ayran (Naturjoghurt mit Wasser gemischt) ein. Im Radio lief das Volkslied: „Das Lämmchen fing an zu mähen...", aber ein lautes Auto auf der Straße machte die Melodie unwirksam. Nach einer Weile hielt ein Krankenwagen vor unserem Haus. Keiner von den Nachbaren war krank, also dachte ich, sie kommen für mich.

Obwohl noch sehr jung, war ich ein regelmäßiger Blutspender mit einer sehr seltenen Blutgruppe.

Ich machte regelmäßig Sport, ich hatte eine eiserne Gesundheit und ich fasste kein Alkohol und Zigaretten an. Ich war also der ideale Blutspender für die Leute im Blutspendezentrum und sie suchten mich oft bei Notfällen auf.

Ich hatte auch dieses Mal Recht. Die Leute in Weiss liefen schon in meiner Richtung und stellten die üblichen Fragen:

„-Sind Sie das?"

„-Ja, ich bin es."

„-Waren Sie in letzter Zeit krank?"

„-Nein."
„-Fühlen Sie sich momentan gut?"

„-Ja."
„-Haben Sie Alkohol konsumiert?"

„-Nein, ich trinke nicht..."

„-Wir brauchen eine Blutspende mit Ihrer Blutgruppe. Es ist ein Notfall. Sind sie bereit zu spenden, sofort?"

„-Selbstverständlich!" - sagte ich und ich spürte wie ihre gestressten Gesichtsausdrücke sich ein wenig entspannten.

Wir stiegen in den Krankenwagen ein und fuhren schnell los. Nur der Klang des Blaulichts war schneller als wir. Wie zur Entschuldigung, sagte der Mann in Weiss neben mir:
„-Jede Sekunde ist wertvoll...Das Kind liegt im Sterben...Ein fünfjähriger Junge...Er ist beim Spiel von einem Bau gestürzt, es gibt viele Brüche, innere und äüßere Risse und sehr großen Blutverlust. Der Vater des Jungen war der erste Spender, aber ein Fehler ist uns unterlaufen...Jetzt müssen wir einen Blutaustausch vornehmen...Wir haben schon Krankenwägen zu anderen Blutspendern geschickt, aber heute ist Sonntag und wir wissen nicht wieviele davon zu Hause sein werden, und ob sie Blut spenden können. Wir brauchen ein paar Liter und dafür brauchen wir viele Blutspender, sehr viele.
Wir sind angekommen. Im Krankenhaus war ein Durcheinander. Überall besorgte Gesichter.
Jemand verteilte Befehle. Ein Anderer griff zu meiner Hand.

„Schnell. Sie sind der Erste - und wir rannten durch die Korridore. Wir traten in einem Büro ein, wo sie mir einen Bluttest für die Feststellung der Blutgruppe machen mussten. Mein Wunsch war denen ein paar Minuten zu sparen und ich sagte:

„-Meine Blutgruppe und alle weitere Daten sind im Pass und in meiner Blutspendekarte vermerkt...Hier!.."
„-Oh, Nein!...Ein zweiter Fehler! Nein!", schrie die Krankenschwester und ich schwieg verdutzt.
Nach einer Minute flog ein Arzt ins Zimmer ein und fragte mit einem strengen Ton die Schwester:
„-Was ist los? Die Ergebnisse!"

„-Ja, dieselbe."

„-Gibt ihm sofort eine Weste."

Sie halfen mir beim Anziehen und beim Hinlegen auf einem Bett (oder Trage) auf Räder. Sie schoben mich zum nächsten Raum. Bevor ich es spürte, war die Nadel schon in meiner Vene und die Bank füllte sich mit meinem Blut.

Erst jetzt fand ich heraus, dass ich mich im OP-Saal befinde. Nur ein paar Meter vor mir sah ich den OP-Tisch mit dem Kind. Genau gesagt, ich sah ein blondes Kinderköpfchen. Das arme Kind...

Es war ein schönes Kind, aber seine Haut war weiss, weiss und transparent, so als ob tatsächlich sich kein Blut in seinem Körper befand. Der Anesthesist verfolgte besorgt seinen Atem und ab und zu wischte er den Schweiss vom kleinen Stirn ab. Alles Andere war bedeckt mit blutigen Stoffen und darüber waren die Chirurgen zu sehen, die um sein Leben kämpften. Mit der Hoffnung, dass sie den Tod besiegen werden, horchte ich auf ihre Worte. Jemand fragte: „Wie ist der Puls, Blutdruck?...Was ist mit den Blutspendern?" Eine andere Stimme informierte, dass ein zweiter Blutspender sich auf dem Weg zum Krankenhaus befindet. Hinter den Masken hörte man ein Seufzer der Erleichterung.
In diesem Moment ein anderer Arzt rannte in den OP-Saal und fing an zu schreien:
„-Wie ist das möglich? Wer hat euch die Diplome verteilt? Wisst ihr etwa nicht, dass ihr vor jeder Blutspende verpflichtet seid die Blutgruppe zu überprüfen? Nicht auf irgendwelche Dokumente schauen oder jemandem glauben. Aber, wir mussten uns beeilen. Aber, es gab keine Zeit für das Kind. Aber, er war sein Vater?...Es gibt kein Aber. Was, wenn er doch nicht der Vater ist? Stellt euch vor, er wollte euch verwirren, damit er das Kind los wird."

Die Tür ging leise auf und ein Mann mit Schnauzbart und mit einem besorgten Gesicht schaute rein:

„-...das ist nicht sein Kind und er ist nicht der biologische Vater. „- führte der Arzt sein lautes Gespräch mit den Kollegen weiter. Als er den Mann registrierte, schaute er fragend in seiner Richtung.

„-Ich, ich bin... der Vat...aber eigentlich bin es doch nicht" - sagte der Mann leise, da er anscheinend die letzten Worte des Arztes gehört hatte. Er verschwand schnell und machte die Tür hinter sich zu.

Keine Ahnung ob der Arzt ihn hörte, oder seine Gedanken woanders waren, aber er setzte sein Gespräch mit den Kollegen weiter fort:

„-Inkompetente Idioten! Betet, dass das Kind nicht stirbt, sonst zeige ich euch an!" - danach kam er zu mir und sagte verstreut: „- Junge, wir werden dir etwas mehr Blut entnehmen. Wir müssen dieses Kind retten..Dir wird's schon gut gehen. Es wird dir ein wenig schwindlig sein, aber du wirst es überleben. Du bist jung." und dann ging er weiter, immer noch murmelnd „Solche inkompetente Idioten!"

Eine Minute später war meine Mission beendet und die Bank mit meinem Blut wurde am System des Kindes angehängt. Der zweiter Blutspender kam rein und mich schoben sie in den Korriodor. Mit ein wenig Schwindel, musste ich noch eine Stunde im Krankenhaus verbringen. In dieser Zeit lernte ich, dass der verärgerte Arzt von vorher, der Chefarzt war, und die ganze Geschichte ziemlich ungewöhnlich war.

Stefan (so hieß das Kind) wurde von seinem Vater ins Krankenhaus in einem sehr schlechten Zustand gebracht. Man brauchte sofort eine Blutspende und der Vater wollte das tun. Gemäß der Daten in seinem Pass hatte er dieselbe Blutgruppe und Rhesus-Faktor wie Diejenige des Sohnes. Die Ärzte haben diesen Daten vertraut und machten nicht den benötigten Bluttest, weil jede Sekunde zählte....Aber, sie machten einen schrecklichen Fehler...Die Blutgruppen waren unterschiedlich und unverträglich. Das Kind gelang in einem kritischen Zustand und sie mussten sich auf der Suche nach Blutspendern machen.
Bevor ich ging, versuchte ich zu erfahren wie es Stephan geht, aber sie sagten mir, dass es noch viel zu früh sei, um zu wissen, ob er es geschafft hat.

Zwei Tage später war Stephans Mutter bei mir zu Hause und von ihr habe ich mit Erleichterung erfahren, dass er sich auf dem Weg der Gesundung befindet. Die Frau war jung, außergewöhnlich schön, aber mit traurigen und bedrückten Augen. Sie erklärte, dass sie meine Adresse vom Krankenhaus bekommen hat und gekommen ist, um mir zu danken, weil ich ihren Sohn gerettet habe. Sie wollte mir die Hand küssen. Ich zog sie verwirrt zurück.

Ich war sicher junger als sie und ich fühlte mich in dieser Situation befangen. Sie wollte mir Geld geben - ich lehnte kategorisch ab und ich schwitzte sogar vor Befangenheit.
Sie schaute mich mit ihren traurigen Augen an und flüsterte:

„Ich werde Ihre Güte niemals vergessen. Andere haben auch meinem Jungen geholfen, aber Sie waren der Erste...Stephan verdankt Ihnen sein Leben...Vielen Dank. - und dann löste sie sich in Tränen auf.

Ich habe ihr einen Platz auf der Bank unter dem Kastanienbaum angeboten und sie sprach unter Tränen:

„-Ich habe vor mehr als sieben Jahren geheiratet. Mein Mann war ein wundervoller Mensch und mein Freund. Wir haben uns sehr geliebt. Wir waren glücklich, aber die Zeit lief und wir konnten immer noch kein Kind bekommen. Wir haben uns ein Kind sehr gewünsht, aber...Ich ließ mich untersuchen. Alles war in Ordnung, ich war gesund und es gab keinen Grund warum ich nicht ein Kind bekommen kann. Ich war auch bei einem anderen Arzt, ich war auch in Sofia. Dasselbe. Ich bin gesund und ich kann ein Kind bekommen. Sie sagten, mein Mann sollte sich auch untersuchen...Als ich ihm die Ergebnisse mitgeteilt habe und ihm sagte, dass er sich auch untersuchen lassen muss...Er...Er schrie einfach und sagte, dass der Grund nur bei mir liegen kann, dass er vor mir eine Freundin hatte, mit der...Mit anderen Worten, er hatte Beweise und bei ihm sei alles in Ordnung."

Stephans Mutter schwieg. Sie wischte sich die Tränen ab und schluckte, so als ob sie die Beleidigung des geliebten Mannes noch einmal schluckte.

-Nach einer Weile - fuhr sie weiter - sagte ich ihm, wir könnten auch ein Kind adoptieren...wenn er will.

„Ich will kein fremdes Kind! Ich will mein Eigenes!" - hat er geantwortet und von diesem Tag an wurde er schweigsam.

Er fing an, spät nach Hause zu kommen und immer öfter zu der Flasche zu greifen.
Die Frau seufzte und fuhr weiter:

-Unsere Ehe wurde brüchig. Und das Kind kam und kam nicht...Ich war an allem bereit, um meine Ehe zu retten. Mein Mann war meine erste Liebe, ohne ihn machte das Leben für mich keinen Sinn mehr und der Sinn seines Lebens waren die Kinder. Und dann habe ich es getan. Ich habe einen günstigen Tag ausgewählt und dann, ohne jemanden etwas zu sagen, nahm ich den Zug nach Pleven (ich weiss auch nicht warum genau nach Pleven). Alles was dort passierte, war wie im Traum.

Der Traum, an den ich mich nicht mal erinnern will.

Ich ging aus dem Plevener Bahnhof heraus und mit dem Risiko wie eine Verrückte auszusehen, fragte ich den ersten Mann, den ich traf, ob er mich zu ihm nach Hause bringen könnte. Er schaute mich lange an und sagte: „Ok, wenn Sie wollen..."

Sogar den Namen wollte ich nicht wissen. Und er wollte nicht meinen Namen wissen. Ich weiss nicht mal mehr wie er aussah. Danach nahm ich den Zug nach Hause und keiner hat je was erfahren.

Nach ein paar Wochen, wusste ich, dass ich schwanger war. Ich sagte es meinem Mann. Auf einmal veränderte er sich. Er war der glücklichste Mann auf Erden. Er freute sich, dass er Vater wird, und für mich war er auch der Vater unseres Kindes...Weil...Der Andere war einfach...ein Niemand.

Sünderin bin ich, Sünderin - und Gott hat mich für meine Sünde bestraft...Stephan kam zur Welt und die Jahre danach waren so glücklich für uns. Bis vorgestern...Als mein Mann vom Krankenhaus zurückkam, sagte er, dass er dort erfahren hat, dass er nicht der Vater von Stephan ist. Er sagte, dass Alles zwischen uns vorbei ist und ging, ohne mich anzuhören.
Ich schaute diese am Boden zerstörte Frau vor mir an und fragte mich was hat ihre Schultern so sinken lassen - den Unfall mit Stephan oder die Trennung von dem geliebten Mann, wessen Name sie immer noch voller Liebe flüsterte. Ihre Tränen waren gefüllt mit dem Schmerz für ihre zwei am meisten geliebten Wesen.

Ich wollte ihr sagen, dass ihr Mann die Worte vom Chefarzt falsch interpretiert hat, aber eigentlich hat er damit die Wahrheit herausgefunden und ich hatte kein Recht mich in die Arbeit des Schicksals einzumischen.

Beim Gehen versprach sie, dass sie Stephan vorbeibringt, wenn er wieder gesund ist. Sie nannte mich „sein Retter" und wollte unbedingt, dass er mich kennenlernt.

Ich sagte, dass ich sie mit Freude erwarten würde und ich wünschte ihr Glück, aber dieses Treffen fand nicht statt, weil ich nach zwei Wochen meinen Wehrdienst eintrat, und etwas später meine Eltern ihren Wohnort wechselten.

Siebzehn Jahre später, ich, meine Frau und unserer neunjähriger Sohn waren zu Besuch in meinem Geburtsort. Wir gingen langsam auf der Hauptstraße spazieren, als plötzlich eine Frau mich stürmisch umarmte. Sie umarmte mich, küsste mich, weinte und schluchzte...Ich war völlig verwirrt.

Meine Frau beobachtete verwundert die Szene, und mein kleiner Sohn zog sie an der Hand und fragte:

-Mama, wer ist diese Tante? Was will sie von Papa?

-Ähm, ich weiss nicht. Frag deinen Vater! - sagte sie verärgert.

Meine Augen trafen die Augen der Frau, die mich irgendwo hinzog, ohne ein sinnvolles Wort herauszubringen. Das waren keine Augen einer Verrückten. Etwas in meinem Gedächtnis leuchtete kurz ein und aus der Wolke der Erinnerungen kam langsam die Gestalt einer Frau hoch, die sich selbst „Sünderin" genannt hat, mit denselben Augen wie die Frau vor mir. So als ob sie mein Erkenntnis bestätigen wollte, sagte sie:

-Gott, ich danke dir! Mein Gott, das ist er! Nach so vielen Jahren. Stephan, komm hier. Das ist dein Retter. Reicht euch die Hände. Das ist Stephan. Das ist mein Mann. Wir haben uns endlich gefunden. Mein Gott, mein Gott....Was für ein Glück, Gott.

Vor mit standen jetzt zwei Männer. Der jungere - schön und stark. Man konnte kaum den kleinen, dünnen Jungen in ihm erkennen, welcher mit dem Tod am OP-Tisch kämpfte.
Er schaute mich mit dankbaren Augen an und vor Aufregung konnte er kaum sagen:

-Ich...ich bin Stephan. - und er hielt mit seinen gesunden, starken Händen meine Hand, als ob er Angst hätte, dass ich verschwinden könnte.

-Und ich bin der Vater von Stephan! - sagte der andere Mann und griff zu meiner freien Hand.
Langsam richtete ich meinen Blick auf ihn. Graues Haar und Schnauzbart und ein weites, warmes Lächeln. Aber der Schnauzbart...Der Schnauzbart!...Aber ja! Das war der Mann, der im OP-Saal reinschaute, als ich die Blutspende für Stephan machte. Jaaa, das war der VATER!

Als er meinen fragenden Blick zu der Mutter bemerkte, sagte er:

-Es war meine Schuld. Sie ist eine gute Frau. Als wir Stephan aus dem Krankenhaus abholten, wir haben ihn beide abgeholt.

-Worüber sprichst du, Papa? - fragte der junge Mann.

-Ich sage deinem Retter, dass deine Mutter sehr gut ist.

-Ja, Mama ist die Beste - sagte Stephan, während er seine glückliche Mutter umarmte.
Und mein eigener Sohn zog mich an der Hand:

-Papa, Papa! Warum hast du mir nicht gesagt, dass du Retter am Meer warst?

...So ist es, die Söhne fragen immer, und die Väter müssen die Antwort wissen, egal wie schwer sie auch sein mag.   

                             

                                                                                                                         Deutsch Übersetzung: Nataliya Korn


2010-07-25

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